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BLOGBEITRAG

14. Januar 2013 · 19 Kommentare

Food-o-grafie: Einblick in die Welt hinter der Fotolinse

Zorra hat Foodblogger zum “Making-of” aufgerufen. Unter dem Titel “Food-o-grafie” können sie ihren und anderen Lesern Einblicke in die Welt vor und hinter der Linse ihres Fotoapparates geben. Ich finde das Thema spannend und kann dadurch gleich immer mal wieder auftauchende Fragen zu meiner Fotoausrüstung beantworten.

Am Anfang dieses Blogs, vor ungefähr vier Jahren, habe ich mir um die Ästhetik eines Brotfotos keine Gedanken gemacht. So war der Blog auch nicht angelegt. Er sollte ein (fast) privates Rezeptearchiv sein. Da kamen Fotos nur zu dokumentarischen Zwecken in Frage. Ein Blick darauf, erfüllt mich heute mit Schrecken (auch weil ich die Rezepte heute so überhaupt nicht mehr oder nur noch stark abgewandelt backen würde). Die Fotos hatten keine gute Ausleuchtung, zeigen Schlagschatten und machen überhaupt keinen Appetit. Einige abschreckende Beispiele habe ich euch mal herausgesucht:

DDR-Brötchen vom 16. März 2009

DDR-Brötchen vom 16. März 2009

Kürbiskernvollkornbrot vom 3. März 2009

Kürbiskernvollkornbrot vom 3. März 2009

Baguette (das ich heute nicht mehr so bezeichnen würde) vom 29. Mai 2009

Baguette (das ich heute nicht mehr so bezeichnen würde) vom 29. Mai 2009

Im Laufe der Monate entwickelte sich mein Blog überraschend gut und immer mehr Anfragen kamen auf mich zu. Mein Anspruch an die Rezepte wuchs und damit auch mein Sinn für ein ästhetisches Foto, erst recht als ich mich immer mehr in die Foodblogger-Szene eingeguckt hatte. Mein Ehrgeiz war geweckt, gute Fotos zu schießen. Ihr könnt euch die Entwicklung im Blog über die Startseite und die Seitennavigation am unteren Ende sehr schön vor Augen führen…

Inzwischen bin ich mit meinen Fotos ganz zufrieden, aber noch nicht glücklich damit. Hier ein paar Erfahrungen, die ich im Laufe der Zeit gemacht habe:

  • so wenige technische Hilfsmittel wie möglich verwenden (kostet Geld und nimmt in der Küche unnötig Platz weg)
  • natürliches Licht nutzen
  • ein Stativ ist extrem hilfreich bei längerer Belichtungszeit (z.B. bei Fotos im Zimmer mit wenig Tageslichteinfall)
    (dazu gehört auch ein Fernauslöser, um Verwackler zu vermeiden)
  • das Licht am besten von der Seite oder von vorn (vom hinteren/oberen Bildende) kommen lassen
  • Blende und Verschlusszeit manuell einstellen (damit lässt sich die Tiefenschärfe sehr gut regeln)
  • das Motiv gezielt auswählen und arrangieren
  • mit einem Blitz oder einer zweiten Tageslichtquelle harte Schatten vermeiden

Ich kann nicht recht erklären, warum, aber ich schieße von meinen Broten überwiegend Hochformatfotos. Ich finde die schöner, vielleicht auch, weil damit mehr Tiefeninformationen verbunden sind (es ist mehr Hintergrund zu sehen).

Meine Fotoausrüstung besteht aus:

Mit der Kamera bin ich vollauf zufrieden. Ich nutze sie überwiegend in der Küche, ab und zu auch draußen. Eine andere Kamera habe ich nicht im Blick. Auch das Objektiv erfüllt meine Ansprüche sowohl für Nah- als auch für Übersichtsaufnahmen.

Ich blitze nur indirekt, also vom Objekt weg (zur Zimmerdecke oder zur Wand hinter mir). Um eine etwas wärmere Farbgebung zu erreichen, halte ich ab und zu die Hand ca. 20-30 cm entfernt vor den Blitz. Versuche mit Tageslichtlampen, selbstgebauten Reflektoren und anderen Spielereien habe ich mir schnell abgewöhnt. Es ist einfach unpraktisch, während des Backtages die halbe Küche umbauen zu müssen. Am nützlichsten sind wirklich der indirekte Blitz und vor allem die langen Belichtungszeiten.

So sieht es hinter den Kulissen aus...

So sieht es hinter den Kulissen aus…

Ich fotografiere immer mit ISO 100 (Rauschminimierung) und verwende nur manuelle Einstellungen. Auch die Schärfe regele ich manuell. Ich schieße von einem Brot meist um die 50-60 Fotos in verschiedenen Motiven, die anschließend natürlich (zu meinem Leidwesen) auf ein Minimum herunter gelöscht werden müssen. Die Fotos speichert die Kamera sowohl im JPG-, als auch im RAW-Format (maximale Bildinformation). Die RAW-Bilder bearbeite ich sehr dezent mit Lightroom. Im Prinzip spiele ich nur noch etwas an der Belichtung und an der Farbverteilung.

Mill Loaf vor und nach der sanften Bildnachbearbeitung

Mill Loaf vor und nach der sanften Bildnachbearbeitung

Weizenmischbrot mit Dinkel vor und nach der sanften Bildnachbearbeitung

Weizenmischbrot mit Dinkel vor und nach der sanften Bildnachbearbeitung

Was mich bislang noch an meinen Fotos stört:

  • Selbst innerhalb einer Fotoserie eines Brotes schwankt die Farbverteilung. Es genügt ein kleiner Wetterumschwung oder eine Wolke mehr am Himmel als beim letzten Foto und schon hat das Bild einen etwas bläulicheren oder rötlicheren Ton.
  • Ich bin relativ einfallslos was die Fotohintergründe und Arrangements angeht. Es ist auch eine Zeitfrage. Mitten im Backtag habe ich kaum Zeit, noch aufwändige Motive zu kreiieren. Meistens läuft es auf Bäckerleinen als Fotohintergrund hinaus.
  • Mit dem Licht muss ich noch zu spielen lernen. Je nach Tageszeit müsste ich meine Brote an einer anderen Stelle der Küche aufbauen…

Viel mehr fällt mir auf Anhieb nicht zum Thema Food-o-grafie ein. Falls ihr noch Fragen habt, lasst es mich in den Kommentaren wissen. Zum Abschluss noch ein Foto, das ich besonders gelungen finde. Das Rezept dazu kommt in ein paar Wochen in den Blog.

Leserwunsch: Frankreichs bestes Baguette 1995 und 2006

Leserwunsch: Frankreichs bestes Baguette 1995 und 2006

16 Kommentare

  1. Ich glaub, nicht nur das Foto ist dir vom letzten Brot gelungen. So wie’s aussieht auch das Brot:)

  2. Vielen Dank für den Einblick! Ich befinde mich fototechnisch noch in deiner Anfängerzeit ;-) Freue mich schon auf das Baguette. LG Eva

  3. Danke für den Einblick! Ich hätte wirklich gedacht, daß Du zusätzlich mit einem Makroobjektiv arbeitest, Du hast so oft unglaublich schöne Detailaufnahmen dabei. Muß mich auch mal an die Arbeit machen, und meinen Beitrag schreiben.
    Grüße, Björn

  4. Das sieht doch super aus! Ich finde die Bildarrangements bei Dir immer sehr gelungen.
    Und eine Hohlkehle aus Bäckerleinen ist doch passend. :) Ein Brett oder ein Teller lässt sich ja immer unterlegen.
    Was das Licht angeht, da wirst Du wohl um ein wenig Kunstlicht (Blitz, LED Leuchte oder sowas) und einen manuellen Weissabgleich nicht drumrumkommen. Also wenn Du konstante Farben willst.
    Aber ein grosser Durchlichtreflektor mit einer Lampe dahinter ist auch recht einfach hingestellt, kostet nicht die Welt und könnte gut helfen das Mischlicht zu reduzieren.
    Grüsse Karsten

  5. Vielen Dank für den Einblick.
    Da waren echt ein paar wichtige Tipps dabei, obwohl ich mich auch schon länger mit Fotografie beschäftige (aber halt nicht Brotfotografie).
    Könntest du auch mal ein allgemeines Tutorial machen, zum Thema wie man vorgehen muss, wenn man ein Brotrezept selber entwickeln will?
    Weiter so!

  6. Sehr interessanter Beitrag, da muss ich noch einiges lernen und reichlich üben. Zwar habe ich mir bisher beim Fotografieren Mühe gegeben, aber mit einer normalen Digicam war da viel mehr nicht drin. Zu Weihnachten hat mich das Christkind mit einer Nikon D5100 SLR-Digitalkamera inkl. AF-S DX 18-105 mm VR (bildstb.) bedacht. Mittlerweile weiß ich, wie das Ding eingeschaltet wird! ;-)
    Herzliche Grüße sendet Micha – Der Brotbaecker

  7. Das Problem mit dem Weißabgleich kenn ich – mit Blitz (auch indirekt) und anderen Lichtquellen gleichzeitig bringt es mich oft fast zur Verzweiflung, wenn die Lichtfarbe von Umgebung und Blitz nicht zueinander passen. Ohne Blitz habe ich die besten Erfahrungen mit einem Weißabgleich auf eine Graukarte oder ein neutral weißes Papier (als Notbehelf) gemacht oder mit dem Einstellen einer Farbtemperatur (vor allem bei Kunstlicht, wenn man das einmal in Ruhe ausprobieren kann). Der Kamera-Weißabgleich lässt sich oft von hellen Stellen, die nicht ganz neutral weiß sein sollen, täuschen. Wenn die mal im Ausschnitt mit drin sind und mal nicht, werden die Bilder unterschiedlich.

  8. Lieber Lutz,
    interessanter Bericht, danke! Meine eigene Erfahrung ist: Food-Fotografie ist zeitaufwändig, und der Aufwand steigt in dem Maß, um wie viel schöner und professioneller die Fotos werden sollen. Wie viel Zeit schließlich man aufwenden mag und kann, muss jeder für sich selbst entscheiden.
    Übrigens, einen tollen Blog hast du!
    Lieben Gruß, Dirk

  9. Ein sehr schöner Blog. Deine Photos finde ich durchaus gelungen und keinesfalls langweilig (Hintergrund) da es ja hauptsächlich ums Brot geht. Dein Problem der verschiedenen Farben in einer Bildserie könnte am Weissabgleich liegen. Du solltest keinesfalls mit automatischem Weissabgleich arbeiten da die Kamera dann bei jedem Bild neu abgleicht. Da Du aber löblicherdings im RAW arbeitest kannst das im Lightroom nachträglich ganz einfach ändern. Du kannst dort auch von Deinem ersten schön bearbeiteten Bild die “Einstellungen” kopieren und diese dann auf alle anderen Bilder der Serie anwenden. So solltest Du doch eigentlich eine gleichmässige Reihe hinbekommen. Aber dieser Tipp kommt von einem Laien aber bei klappts ganz gut..

    • Danke Olaf, die Funktionen kenne ich. Nur ist es recht umständlich, bei Fotos einer Motivserie, die in sich schon verschiedene Farbtönungen hat, durch die Nachbearbeitung immer die gleiche Farbgebung zu erreichen. Das geht denke ich nur mit Kunstlicht, nicht mit Tageslicht. Oder es ist wirklich ein gleichbleibend trüber Tag.

      • Zu Deinem Farbtemperaturproblem gibt es eine ganz einfache und billige Lösung: eine Graukarte. Mach einfach zusätzlich immer von jedem Motiv ein Foto, auf dem Du die Graukarte vor das Motiv legst/hältst, und danach nimmst Du das Ding in Lightroom, um mit der Pipette vom Weißabgleich draufzuklicken. Fertig. So kriegst Du auch ohne teures und sperriges Equipment ziemlich hohe Farbkonsistenz hin. (Das ganze funktioniert nur gut mi RAW, aber so fotografierst Du ja eh.)

        Das einzige was Du ändern mußt dazu: Laß den Blitz weg. Aber auch das ist nicht schwierig: Du fotografierst ohnehin mit Stativ, kannst also so lange belichten, bis das vorhandene Tageslicht ausreicht. Insofern kannst Du den Blitz weglassen, der erzeugt nämlich das Problem, was hier auch schon von jemandem erwähnt wurde: Mischlicht, also verschiedene Farben (=Farbstiche) von verschiedenen Lichtquellen, die bekommst Du nie richtig weg, auch nicht mit viel Aufwand.

        “Ja, aber was mach ich denn dann zum Schatten-Aufhellen?” wirst Du vielleicht denken. Kein Problem: Nimm einfach eine weiße Styroporplatte für 80 Cent aus dem Baumarkt und halte sie beim Fotografieren an das Motiv, so wie man auch eine Lichtquelle positionieren würde. Durch Deine lange Belichtungszeit hat die 80-Cent-Platte den gleichen Effekt wie eine sündhaft teurer Studioblitz mit Softbox.

        Beide Utensilien sind äußerst flach und daher leicht zu verstauen, äußerst einfach in der Handhabung, und sehr effektiv – probier’s aus!

        Finde Deine Fotos auch so übrigens schon sehr gelungen, zusätzlich noch mehr deshalb, weil Du Dir Dein Setup durch einfaches Trial-and-Error und ein gutes Auge “erarbeitet” hast.

        Beste Grüße,
        Flow

  10. Es geht mir wie dir ich bin auch zu bequem, immer alles aufzubauen. Ich schiess sogar meisten aus den Hüften. ;-) Danke für diesen interessanten Einblick!

3 Pingbacks

  1. [...] wurden, sehe ich für mich noch ein deutliches Verbesserungspotenzial, vor allem wenn ich mich mit Lutz Geißler vergleiche. Das gilt vor allem für die Ausleuchtung der Bilder, die Schärfe und für die [...]

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