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23. April 2012 · 2 Kommentare

Rezension: „Baguette, Bagels, Bauernbrot“ von Charlotte Jenkinson et al.

Und wieder wirbt ein Buch mit dem Slogan „Die besten Rezepte zum Brotbacken“. Das 2011 im Thorbecke-Verlag erschienene, handliche Brotbackbuch kommt recht frisch, alternativ und rustikal daher. Öko-Papier, angenehme Typographie und professionelle Fotografien machen es schwer, nicht zu diesem Buch zu greifen. Doch hält es, was es verspricht?

"Baguette, Bagels, Bauernbrot" von Charlotte Jenkinson

„Baguette, Bagels, Bauernbrot“ von Charlotte Jenkinson

Auf dem Cover sucht der Leser vergebens nach einem Autor. Erst beim Blick in das sehr sympathisch formulierte Vorwort gibt der Verlag einen Teil der Autorenschaft Preis: Charlotte Jenkinson. Die Rezepte stammen jedoch von deutlich mehr Autoren, die sich im Buchindex finden lassen.
Das Impressum hingegen verrät die Ursache für das größte Manko des Buches. Es handelt sich um eine Übersetzung aus dem Schwedischen. Problematisch wird dies bei speziell schwedischen Zutaten, wie z.B. hellen und dunklen Sirupsorten. Zwar wird allgemein auf schwedische Onlineshops verwiesen, in denen solche Zutaten zu haben seien, aber ein großes Hindernis zum Nachbacken bleibt es. Außerdem wurden im schwedischen Original die Mengenangaben für Mehl in Deziliter (dl) angegeben. Weshalb der deutsche Lizenzverlag diese irritierende Maßeinheit nur stellenweise mit Gramm-Angaben ergänzt hat, bleibt offen. So muss der interessierte Nachbäcker zwischen Teelöffeln, Esslöffeln, Millilitern, Dezilitern und Gramm umdenken. Die dem Brotbacken im Vorwort zugesprochene Entspannung bekommt beim Zusammenstellen aller Zutaten in unterschiedlichen Maßeinheiten eher einen Hauch von mathematischer und physikalischer Sportlichkeit, die viele Nachbäcker sicher erst einmal alles andere als entspannt werden lässt. Bestimmte, im deutschen Backsprachraum untypische Begriffe für Zutaten wie zum Beispiel „Bikarbonat“ (= Natron) lassen den Hobbybäcker aufhorchen und ratlos bleiben.

Die Rezepte sind inhaltlich insgesamt durchwachsen, egal ob weizen- oder roggenlastig. Einige davon sind mit Zähneknirschen praktikabel, andere mag man noch nicht einmal gedanklich probieren wollen. Ob in Schweden tatsächlich eine dermaßen exotische Brotvielfalt herrscht, kann bezweifelt werden. Standard- bzw. Alltagsbrote sucht der Leser fast vergebens. Bis auf einzelne Ausnahmen wird mit direkter Führung gearbeitet, Sauerteig und Hefevorteige kommen selten zum Einsatz. Obwohl die Fotografien zum Nachbacken anregen, mag man in manches der mit exotischen Zutaten überfrachteten Brote ungern hineinbeißen. Die Teigverarbeitung ist kritisch. Hefe wird stets in Wasser auf 37°C erwärmt – viel zu warm für die optimale Hefevermehrung und Gärung. Mehltypen sind den Rezeptautoren offenbar unbekannt. Hinzu kommt, dass das Mehl in der Zutatenliste vor der Masse an anderen Zutaten in vielen Fällen untergeht.

Fazit: Ein wunderschönes Buch zum Schmökern und geistigem Genießen. Für Anregungen geeignet, zum Nachbacken unpraktikabel und nicht zu empfehlen.

„Baguette, Bagels, Bauernbrot“
160 Seiten, 2011
Verlag: Thorbecke
ISBN: 978-3799507110
Größe: 23,1 x 19,6 x 2 cm
Preis: 19,90 €

Mein Dank gilt dem Thorbecke-Verlag, der mir das Buch zur Besprechung zur Verfügung gestellt hat.

2 Kommentare

  1. Interessant. Ich mag Jan Hedh’s „Swedish Breads & Pastry“, trotz einiger Errata ein sehr schönes Buch – wenn auch viele Rezepte nicht aus Schweden stammen, sondern vom Autor anderswo in Europa gesammelt wurden.

  2. Hallo!

    Nur ein kurzer Einwurf zum Begriff: „Bikarbonat“ (= Natron). Umgangssprachlich wird „Natroncarbonat“ auch Backpulver genannt (im Backpulver sind aber noch andere Stoffe zusätzlich enthalten). Backpulver wird eingesetzt wenn man keine Hefe einführen möchte. Während des Bachvorganges wird CO2 freigesetzt, ähnlich wie bei der Hefe, was das Backgut auflockert . „Natron Bicarbonat“ ist Soda und eignet sich hervorragend um Edelstahlspühlen, angebrannte Kochtöpfe oder Cerankochfelder zu reinigen (aber das ist ein anderes Thema). Weger dieser Verwandtheit auch immer der Tipp, dass man eingebrannte Backofenbleche mit Backpulver reinigen kann! (Soda ist aber billiger und besser geeignet). In Schweden scheint aber das Soda auch als Backpulver-Ersatz zu dienen oder es ist eine umgangssprachliche Ungenauigkeit oder evt. ein Übersetzungsfehler?

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