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6. Mai 2013 · 1 Kommentar

Rezension: „Holzbackofen“ von Rudolf Jaeger

Holzbacköfen sind faszinierend für mich, verkörpern sie doch die ursprüngliche, rustikale Herstellung von Brot. Leider kann ich noch keinen dieser Öfen mein eigen nennen, aber für den Ernstfall vorbereiten kann ich mich. Inzwischen gibt es einige Bücher zu diesem Thema auf dem Markt und Bausätze verschiedener Firmen, die den Aufbau eines eigenen Holzbackofens im Garten oder im Haus auch ohne handwerkliche Meisterleistungen möglich machen. Das 2012 erschienene Buch „Holzbackofen“ von Rudolf Jaeger widmet sich diesen Bausätzen.

"Holzbackofen" von Rudolf Jaeger

„Holzbackofen“ von Rudolf Jaeger

Jaeger ist kein Unbekannter in der feuerliebenden Szene. Etliche Grillbücher gehen auf sein Konto. Sein neues Buch kommt gestalterisch ähnlich massiv daher, wie seine anderen Grillbücher. Dicke Lettern, kräftige Farben, wuchtige Überschriften und globige Farbbalken. Etwas ungewohnt, aber für ein solch massives Thema wie Holzbacköfen doch geeignet.

Inhaltlich beschränkt sich Jaeger auf weniger statt mehr: Eine Anleitung zum Bau einer Holzbackofenbehausung samt Material- und Kostenliste, Infos zum richtigen Anheizen und ein Überblick über den Temperaturverlauf nach dem Befeuern. Wichtiges Backzubehör, Mehlkunde und ein flüchtiger Blick auf das Brotbacken im Holzbackofen ergänzen den Grundlagenteil des Buches.

Es folgen nach ziemlich genau der Hälfte des Buches fünf Brotrezepte (Kartoffelbrot, Dinkelbrot, Brötchen, Roggenbrot, Laugenbrezeln), Rezepte für Flammkuchen und Pizza, für Quiches und Aufläufe, außerdem für etliche herzhafte Gerichte.

Die Brotrezepte sind akzeptabel in der Zutatenkombination und Zubereitung, aber unzureichend beschrieben (teils fehlen Garzeiten, immer Gartemperaturen). Für die Laugenbrezelherstellung fehlt der Warnhinweis auf Verätzunggefahr mit Natronlauge. Unbedarfte können aus der Rezeptbeschreibung keinerlei Gefahrenpotenzial erkennen.

Rudolf Jaegers Buch ist schnell studiert. Wenig Text, viele Abbildungen. Für solch ein Thema nicht verkehrt, kommt es beim Aufbau eines Holzbackofens zu allererst auf Inspirationen an. Davon gibt es viele. Das große Aber folgt sogleich: Jaeger beschränkt sich auf zwei Backofenfirmen – Häußler und Ramster, ihre Chefs beide laut Danksagung Freunde des Autors. So werden Linktipps zu Häußler genannt, die Öfen kritiklos vorgestellt und sich kräftig im Rezepte- und Literaturfundus beider Firmen bedient. Die Brotrezepte stammen aus Publikationen von Häußler und Ramster, viele der Fotos ebenso. Außerdem wurden Textpassagen aus diesen Veröffentlichungen übernommen (z.B. die Warenkunde zu Getreide und Mehl). Das Buch ist also eher ein Sammelsurium alter statt neuer Texte und Erkenntnisse.

Ich bin zwiegespalten, was Jaegers Buch angeht. Die Gestaltung schürt größere Erwartungen, als der Inhalt erfüllen kann. Wer sowieso auf einen Holzbackofen oder gar einen Bausatz der beiden Firmen setzen möchte, für den ist das Buch „Holzbackofen“ als Einstieg genau richtig. Für alle anderen gibt es tiefergehende Literatur zum Thema.

Holzbackofenbuch: Aufbau, Praxis und Rezepte
127 Seiten, 2012
Verlag: HEEL Verlag
ISBN: 978-3868525366
Größe: 22,4 x 18,2 x 1 cm
Preis: 14,90 €

Mein Dank gilt dem HEEL-Verlag, der mir das Buch freundlicherweise zur Besprechung zur Verfügung gestellt hat.

Ein Kommentar

  1. Hallo Lutz,

    ich hatte mir das Buch auch vor einigen Wochen bestellt. Ich backe ja bereits seit einem Jahr im Holzbackofen (von Häussler übrigens) und erhoffte mir durch das Buch irgendwelche neuen Erkenntnisse oder Anregungen zu Gestaltung des Holzbackofens etc. Leider wurde ich herb enttäuscht, da ich so ziemlich alles aus dem Buch bereits kannte. Es ist, wie Du sagst, ein Sammelsurium von bereits bekannten Werken der Hersteller. Für jemand, der noch keinen Holzbackofen sein Eigen nennt, kann es als Anregung und vorbereitende Hilfestellung auch zur Entscheidungsfindung dienlich sein.

    Auch der Rezeptteil war mir zum größten Teil geläufig. Zumindest was die Rezepte, die aus den Häussler-Rezeptsammlungen stammen, angeht, so funktionieren diese zwar, aber geschmacklich ist bei vielen noch viel Luft nach oben. Die Rezepte sind meist auch sehr hefelastig.

    Mir hat das Buch nicht zugesagt. Ich denke da gibt es weitaus bessere – wenn man auch meist etwas mehr Geld dafür ausgeben muß.

    Viele Grüße und danke wiedermal für die Rezension.
    Patrick

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