BLOGBEITRAG

8. November 2013 · 5 Kommentare

Rezension: „Foodblogs und ihre besten Rezepte“ von Ariane Bille

"Foodblogs und ihre besten Rezepte" von Ariane Bille

„Foodblogs und ihre besten Rezepte“ von Ariane Bille

Gefühlte Jahre muss es her sein, als ich das erste Mal ihren Namen und ihre Beiträge in Mizzis Küchenblock oder in ihren Kulinarischen Momentaufnahmen gelesen habe. Ariane Bille begann 2010 ihre Koch- und Essleidenschaft in einer Diplomarbeit zu bündeln. Das Thema: Foodblogs. Dass nun, drei Jahre später ihre Arbeit als Buch erscheint, ist ein Glücksfall für die deutsche Koch-, Blog- und Verlagslandschaft.

Ariane Billes Buch ist kein Buch über Foodblogs, kein Buch über gutes Essen, es ist eigentlich kein Buch. Es sprengt den Rahmen. Billes 160 Seiten starkes Werk macht möglich, was unmöglich scheint: Es entreißt dem Schnelllebigen die Eile, es holt Luft während die Welt sich draußen weiter dreht. Es nimmt uns mit in die Gedanken und Geschichten von zwölf bekannten und geschätzten Foodbloggern, in ihre Koch- und Küchenphilosophien. Es reduziert die Rezeptmaschinerie Internet auf fassbare und wohltuend erholsame bedruckte Fasern voller Kochleidenschaften.

Vielleicht mag Ariane Billes Buch gerade heute so beruhigend, fast schon meditativ auf mich wirken, da ich mit genau dieser Foodblog- und Foodbloggerwelt im realen Leben eben erst Kontakte knüpfe, in der Virtualität aber gerade von ihrer Wucht überrollt werde. Ein ICE mit überhöhter Geschwindigkeit. Dass dies den gesetzteren, erfahreneren Bloggern auch passierte, dass sich arbeitsintensive, schlaflose Höhen wieder legen können, ja müssen, all dies ist bei Ariane Bille nachzulesen.

Zwölf Foodblogger, zwölf eindrucksvolle Interviews. Heike von Au, Stevan Paul, Zorra, Katharina Seiser, Robert Sprenger, Claus Schlemmer, Alexander Hansen, Inés Gutiérrez, Astrid Paul, Eveline Exner, Sebastian Dickhaut, Claudio Del Principe.

Jeder Interviewte steuerte zwei Rezepte aus seinem Blog und zwei nur für das Buch entwickelte Rezepte bei. So bietet sich dem Leser mit jedem Foodblogger ein erprobtes Vier-Gänge-Menü, für jeden Monat eines, von der Autorin nachgekocht und fotografiert.

Die Menüs jedoch sind nur das Beiwerk, die Nachspeise, vielleicht auch die berühmte Sättigungsbeilage zu einem Schatz, der weit höher zu werten ist als die bloße Kulinarik. Es ist der Schatz der Erfahrung, der Schatz der Lebensphilosophien, der Träume und Enttäuschungen, der Leidenschaften und Umbrüche.

Keine Frage wiederholt sich, keine Antwort gleicht der anderen. Spannend bis zum Schluss. Und aktuell. Fragen nach Regionalität, nach der Güte unserer Nahrungsmittel, nach gutem Essen und unserer Gesellschaft – all dies sind Fragen, die nicht zuletzt erst durch die Foodblogger-Szene in den Fokus vieler Menschen und der Medien gerückt sind. Die Lebenswege aller zwölf vorgestellten Foodblogger sind so beeindruckend, weil sie alle für das gleiche große Thema brennen, aber jeder von Ihnen einen anderen Weg gefunden hat, es auszuleben.

Billes Werk lässt sich nicht einordnen, nicht kategorisieren. Es ist, genau wie sein schon in der Titelüberschrift festgehaltener Anspruch eine Momentaufnahme, ein aus der beschleunigten Welt herausgefallenes, liegen gebliebenes und konserviertes Kästchen voller Lust, Begeisterung und Liebe für das Essbare.

Und es ist weit mehr als das. Welche Rolle spielen Foodblogs als Werbeträger? Sind sie Konkurrenz und Copyshop für Kochbücher? Werden Kochbücher ohne die neuen Medien und die Foodblogs ohne Kochbücher überleben? Verleger aufgepasst. In Ariane Billes Interviews stecken Ideen und Erfahrungen, die für die Existenz der (Koch-) Buchlandschaft entscheidend sein werden.

Ab und zu braucht es einen Halt, an dem zurückgeblickt und vorausgeschaut werden kann. Es braucht einen Bahnhof, um eine kulinarische Momentaufnahme zu schießen. Ariane Bille hat für sich und ihre Leser zwölf beeindruckende Stops eingelegt und hervorragend festgehalten.

Bleibt zu wünschen, dass es bald einen Nachfolger, weitere 12 Foodblogger, ihre Blogs, Lebensgeschichten, Ansichten und Philosophien, Rezepte und Erfahrungen geben wird.

„Foodblogs und ihre besten Rezepte“
160 Seiten, 2013
Verlag: HädeckeVerlag
ISBN: 978-3775006613
Größe: 22,8 x 22,8 x 1,6 cm
Preis: 24,90 €

Mein Dank gilt dem Hädecke Verlag, der mir das Buch freundlicherweise zur Besprechung zur Verfügung gestellt hat.

Nachtrag (17.11.2013): Ariane Bille verschickt bei Bestellung bis 9.12.13 ihr Buch mit Autogramm und persönlicher Widmung!

4 Kommentare

  1. Sollte ich jemals ein Buch schreiben, dann werde ich Dir ein Exemplar zur Rezension zur Verfügung stellen 😉 Wunderbar geschrieben!!! 
    Begeisterte Tessiner Grüsse

  2. Ein wirklich schöner Bericht! Und so auf den Punkt getroffen.
    Ich hätte es bei weitem nicht so toll beschreiben können, Danke 😀

  3. Deine Rezension ist glänzend geschrieben und macht richtig Lust auf das Buch. Was wohl Freund Hein schreiben wird? Gruß Günther

  4. „Rezeptmaschinerie“ ist gut!

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  1. […] erkennt er „ein Käst­chen vol­ler Lust, Begeis­te­rung und Liebe für das Ess­bare“. Plötz­blog (Rezen­sion), Kuli­na­ri­sche […]

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