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18. November 2013 · 18 Kommentare

Rezension: „Brotbacken für Eilige“ von Angelika Kirchmaier

"Brotbacken für Eilige" von Angelika Kirchmaier

„Brotbacken für Eilige“ von Angelika Kirchmaier

Ich habe eine Zeit lang mit mir gerungen, ob ich dieses Buch besprechen sollte. Schon der Titel ließ Böses ahnen. Als ich es auf der Frankfurter Buchmesse (wieder) entdeckt hatte, war mir gar nicht mehr bewusst, dass mein Beschluss, das Buch zu rezensieren, schon Tage zuvor gefallen war. Wieder daheim, lag es dann vor mir. Doch schon die ersten beiden Brotfotografien straften mich dafür, diese Neuerscheinung bestellt zu haben.

Ich mache es kurz: nicht kaufen!

Ich frage mich ernsthaft, wie eine Diaetologin und Gesundheitswissenschaftlerin solche Brote als gesund anpreisen kann. Zwar arbeitet sie mit maximal 4% Hefe, vermeidet aber sämtliche Maßnahmen, um ihre Brote bekömmlich zu machen. Das betrifft vor allem Brote mit Schrot- und Vollkornanteil.

Die Zubereitung ist einfach: alle Zutaten mit einer Gabel vermengen, in eine Form geben, kurz gehen lassen (15-45 Minuten) und dann backen. Keine Teigruhe, keine Verquellungsmöglichkeiten. Entsprechend gruselig sehen die Brote aus – von außen, aber vor allem von innen. Einige Ausnahmen sind von der Rezeptur und dem Foto her genießbar, etwa das Bauernbrot, aber dennoch würde ich doch lieber den im Einband negativierten Gang zum teuren Bäcker antreten, als die „erprobten Rezepte von Angelika Kirchmaier“ zu backen. Auf Sauerteig wird verzichtet, auch bei hohen Roggenanteilen.

Vielleicht sollte man dieses Buch als Satire auffassen. Ein „Schwarzbrot“, das weit heller gebacken ist (Krume und Kruste!) als ein „helles Mischbrot“, regt nicht zum Essen, wohl aber zum Schmunzeln an. Überhaupt hat „Brotbacken für Eilige“ die Eigenschaft, die Mundwinkel zu einem Grinsen des Entsetzens hochzuziehen. Soll man lachen oder weinen?

Ich bin selten so ungehalten, versuche immer noch Positives zu finden, aber bei diesem Buch hat es mir die Sprache verschlagen, insbesondere weil die Brote als „gesund“, „wunderbar saftig und locker“ dargestellt und von einer Gesundheitswissenschaftlerin „erprobt“ wurden, die es besser wissen müsste. Hier passen Anspruch und Inhalt in keinster Weise zusammen.

„Brotbacken für Eilige“
192 Seiten, 2013
Verlag: Pichler Verlag
ISBN: 978-3854316398
Größe: 23,8 x 19,6 x 1,4 cm
Preis: 19,99 €

Mein Dank gilt dem Pichler Verlag, der mir das Buch freundlicherweise zur Besprechung zur Verfügung gestellt hat.

18 Kommentare

  1. …“Eilige“ sollten halt kein Brot backen…

  2. Eigendlich erstaunlich was alles so auf dem Buchmarkt ist. Es hat den Anschein das in den Verlagen keiner mehr ist, der die Inhalte überprüft. Hauptsache das Buch verkauft sich.

    • Meine Tante hatte mir, als ich mit dem Brotbacken angefangen habe, das folgende Buch geschenkt.

      Das Schmunzeln bei den ersten Seite verflog spätestens bei den ersten Brot Rezepten: Eischnee, steife Sahne, Backpulver, viel, viel Wasser, keine Gehzeiten (15min für ein Brot mit Trockensauerteig!).

      Resultat: „Die schnellen Brote schmecken am Backtag am besten; reine Backpulverteige unbedingt am selben Tag genießen! Toasten peppt die Brote am nächsten Tag nochmals auf. Praktisch: Alle Brote lassen sich einfrieren.“ (aus den 10 GU-Erfolgstipps, Umschlagklappe vorne, des o.g. Buchs)

      Wenn ich mich richtig erinnere, dann sollten alle Brote innerhalb von 30min im Ofen sein, inkl. aller Vorbereitung.
      Da darf man nichts erwarten (außer man will Kuchen).

      Früher hat GU mal Qualitätstitel gehabt. Heute haben sie Aktionäre???

  3. Naja, die Vokabeln „Brot backen“ und „Eilig“ widersprechen sich ja schon von vornherein…..

  4. Da war es wieder, das Trauma… Komische Klumpen mit merkwürdigem Geschmack, verkauft als tolles, gesundes und selbstgebackenes Brot. Wer es eilig hat, soll nicht backen. Und wer tolles Brot will, braucht Zeit. Mit solchen Büchern und den daraus resultierenden Broten kann man ambitionierte Hobbybäcker auch vergraulen, unglaublich. 

  5. Wenn ich Eilig Brot backen will, dann mache ich etwas wie Psomi von der Blog hier… man braucht zwar 4 Stunden, aber nur wenige kurze Arbeitsschritte. Man schafft es nicht nach der Arbeit als Abendessen zu machen, aber an einem Samstag oder Sonntag Nachmittag schon.

    Ansonsten wenn man ordentliches Brot macht, kann man vieles nach der Arbeit schaffen für den Folgetag.

  6. …… und wer dann mal die erste Amazon Bewertung zum obigen Buch  liest, könnte meinen, dass er „Das“  Brotbackbuch schlechthin kauft.  

    • Hallo Brigitte ich konnte zum Glück noch keine solche Kundenrezension auf Amazon finden.

      • Eine 5 Sterne  Rezession stand wirklich bei Amazon . Merkwürdigerweise ist sie  inzwischen verschwunden.

        • Hallo Brigitte, die 5-Sterne-Rezension hatte ich auch gelesen, ich wollte schon eine 1-Sterne-Rezension dagegen halten, nur der Gerechtigkeit halber, aber nun ist sie weg und ich kann mir die Mühe sparen.

  7. Für „Eilige “ kann man nur die Steine produzieren .Das Brot braucht Zeit .

  8. Gutes Brot zu backen ist meiner Meinung nach in erster Linie nicht davon abhängig, ob man Zeit hat oder nicht. Es ist eher die Planung die viele abschreckt. Man kann nicht so aus einer Laune heraus, schnell ein Brot oder Gebäck backen. Der effektive Zeiteinsatz ist nur unwesentlich mehr. Aber wer Liebe zum Backen mitbringt, für den ist Backen keine Zeitverschwendung sondern oft ist der Weg auch das Ziel. Das gelungene Backwerk ist dann nur die Krönung oder der Höhepunkt eines wunderbaren Tages oder auch nur Stunden.
    In diesem Sinne werden wir sicherlich noch schöne Stunden verbringen.
    Sam

  9. Boah, das sind genau die Art von Broten, die ich anfangs gebacken habe, die mich immer wieder enttäuscht haben, mich schier verzweifeln ließen, weil sie auch niemand gegessen hat u meine Familie heimlich zum Bäcker trieben…
    Das ist wirklich schlimm, dass solche Rezepte in Umlauf gebracht werden. Wer nämlich – wie ich – voller Enthusiasmus ist u fröhlich beginnt, kann damit nur Pech haben….
    Welch ein Glück, dass ich kurz vor dem endgültigen Aufgeben das Brotbackforum u all die schönen Blogs wie deinen hier gefunden habe!!

  10. Ich bin einfach nur froh, dass ich gleich am Anfang meiner Brotback-Versuche auf diesen super Blog gestoßen bin! Seit Juni backe ich nun mein Brot und die Brötchen selbst und dank der tollen Tipps, seines Brotbackbuchs und der großen Hilfsbereitschaft von Lutz habe ich schon gute Fortschritte gemacht. Wer weiß, wie es ausgegangen wäre, wenn ich auf so ein Werk hereingefallen wäre. Dann würde ich bestimmt schon lange wieder Brot kaufen! 
    So freue ich mich auf den Kurs im Januar!
    Liebe Grüße, Evie

  11. Schade, dass ihr die Rezepte noch nie ausprobiert habt. Ich bin begeisterte Brotbackerin – ich habe schon lange kein Brot mehr gekauft…. und ich mache es nach der „Art“ Angelika Kirchmayr… Schmeckt einfach super… ich habe auch schon mehrere Personen dazu gebracht, dies auch zu tun – alle sind begeistert…

  12. Das Buch ist sogar ausgezeichnet worden: „Best Bread Book“ 2013 bei den Gourmand World Cookbooks Awards. Was ist davon zu halten?

    • Wie es so mit Auszeichnungen ist: Es kommt darauf an, wer in der Jury sitzt und wieviele Konkurrenzbücher es überhaupt gab. Das kann ich nicht abschätzen. Ich gebe auf solche Auszeichnungen nicht viel, es sind eher Marketingwerkzeuge für die Verlage (das sehe ich auch bei meinen Büchern so).

  13. Die Autorin hat schon mehrere Bücher verfaßt mit dem selben Schema: schnell, wenig Arbeit und gesund. Hier hat sie es wohl auch mit Brot versucht. Das „Schnelle Kekse“-Buch ist genau so aufgebaut: alles nur schnell zusammenrühren (kein Kneten) und ab in den Ofen. Bei Gebäck mag das noch gehen (hab es trotzdem weiterverkauft, da mir die Zutaten zu exotisch waren), aber daß sie ein Brotbackbuch auch nach diesem 08/15-Schema auf den Markt bringt, hat mich dann doch etwas schockiert 🙁

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