BLOGBEITRAG

25. November 2014 · 10 Kommentare

„Das Brot des Bäckers“ – Ein Film geht auf Reisen

Vor einiger Zeit steckte mir eine Kursteilnehmerin einen Film zu, der 1976 in den westdeutschen Kinos anlief und eine ganz ausgezeichnete Milieustudie des deutschen Handwerksbäckers ist.

Was Moby Dick für den Walfang ist, ist dieser Film fürs Brotbacken.
(Financial Times)

„Das Brot des Bäckers“ von Regisseur und Bäckersohn Erwin Keusch habe ich mir gestern Abend angesehen und bin beeindruckt. Ruhige Erzählweise, Blick für Wesentliches, scheinbar kein Spannungsbogen und dennoch mitreißend.

Die Geschichte ist einfach und bedrückend. Sie hat an Aktualität nichts verloren, obwohl der Film schon fast 40 Jahre alt ist. Die Situation hat sich seitdem nur noch weiter verschlimmert.

Werner beginnt eine Ausbildung bei Bäckermeister Baum, ohne dass er vorher großartig darüber nachgedacht hätte, was auf ihn zukommen wird. Aber er fuchst sich hinein, auch dank Baums direkter und hilfreicher Art. Von Jahr zu Jahr nimmt der Preisdruck zu, erst recht als ein Supermarkt in der Nähe eröffnet wird. Entgegen seiner Überzeugung lässt sich Baum zu Modernisierungsmaßnahmen in der Backstube und Zeitersparnissen bei den Rezepturen verleiten, nur die erhofften Gewinne bleiben aus. Während Werner in die Industriebäckerei wechselt, bleibt Baum als Einmannbetrieb zurück.

Das ist nicht alles. Der Film ist vielschichtiger und wartet mit einer Wende gegen Ende der Spielzeit auf. Der Zuschauer bleibt dennoch etwas ernüchtert und ratlos zurück, angesichts der weiteren Entwicklungsmöglichkeiten der Bäckerei, die Erwin Keusch offen lässt.

Nicht umsonst hat Bernd Tauber den Bundesfilmpreis für seine Rolle als Werner erhalten. Authentisch und gut. Überhaupt zeichnet der Film das Bäckerleben realistisch nach, ganz ohne Bäckerromantik.

Weil „Das Brot des Bäckers“ an Aktualität nichts verloren hat und ein aus meiner Sicht so ausnahmslos beeindruckendes Werk ist, habe ich quasi über Nacht die Idee geboren, die mir geschenkte DVD in der Blogosphäre auf Wanderschaft gehen zu lassen.

Das sind die Regeln:

  • Film anschauen und deine Meinung darüber im eigenen Blog notieren (bitte immer mit dem Hashtag #brotfilmreise)
  • einen anderen Food-/Brotblogger aussuchen und die DVD per Post mit diesen Hinweisen hier an ihn schicken
  • zur DVD immer eine kleine Notiz, Visitenkarte etc. legen, damit die Filmschauenden wissen, bei wem die DVD schon überall war

Der erste Auserwählte Film-Empfänger ist Freund und Bäckermeister Dietmar Kappl, der von Rationalisierung und Technisierung ein Lied singen kann, weil er gerade mittendrin steckt.
Ich bin gespannt, wie weit die DVD reisen wird.

Interessantes Detail: Das im Film beschriebene Schicksal ereilte die Hersbrucker Bäckerei, in der gedreht wurde, 2010 selbst. Sie wurde aufgegeben.

10 Kommentare

  1. Oh was für eine tolle Idee!
    Schade, dass ich zwar Brot selbst backe, aber keinen Foodblog habe. Dennoch würde ich es gern verfolgen. Könnt ihr einen Hashtag mitlaufen lassen, dass die Aktion besser nachvollzogen und plattformübergreifend diskutiert werden kann? vielleicht #brotreise oder so…

  2. Eine wunderbare Idee,
    da würde ich gerne mitmachen, weiß aber nicht ob mein Blog: „Sausesüß“ dafür ausreichend ist. Er ist ja hauptsächlich für die süße Abteilung gedacht. Wenn nicht, würde ich das gerne mitverfolgen. Dein „Plötzblog“ birgt ja immer wieder Überraschungen.
    Herbstliche Grüße Peter Leifeld

  3. Tolle Idee. Bin schon gespannt, wo die DVD überall hinreist.

  4. Ja, eine tolle Idee. Ich habe zwar einen Blog, auch wenn der nicht Essen zum Thema hat. Aber mich interessiert der Film! Gibt es eine Möglichkeit, mich in den Kreis den der Film nimmt, mit aufzunehmen? Die Idee mit dem Hashtag finde ich gut.

  5. Genau wie Anke, betreibe ich keinen Foodblog. Obwohl dieses hier wohl ein passender Anlass wäre, fange ich nicht damit an, da mir die Zeit fehlt. 
    Ich bin aber sehr gespannt auf die jeweiligen Meinungen und werde dieses Projekt mit Spannung verfolgen.
    LG Katja

  6. Ich kann mich erinnern, dass der Film in den Kinos war, als ich gerade meine Lehre abschloss. Ich kam aus dem Kino und war so aus dem Häuschen, dass ich unbedingt eine Gratisvorstellung für alle Mitschüler unserer Berufsschule organisieren wollte und dafür gerne drei meiner Lehrlings-Monatslöhne spendiert hätte. Die Sache verlief dann irgendwie im Sande, ich glaube. die Schulleitung fand die Idee lange nicht so gut …
    Ich freue mich jedenfalls riesig, von dem Film nach sao langer Zeit wieder zu hören. Und wenn Du, Lutz, sagst, den kann man heute noch anschauen, dann sollten wir mal drüber nachdenken, ob es nicht möglich wäre, ihn noch ein bisschen mehr unter die Leute zu bringen. Ich kenne mich überhaupt nicht mit solchen Sachen aus. Vielleicht hätte ja der Verein „die Bäcker“ , oder wer sonst ein funktionierendes Büro betreibt und am Bäckerhandwerk Interesse hat, die Möglichkeit, was auf die Beine zu stellen … Nur so dahingedacht ….
    Günther

  7. Für alle Nicht-Foodblogger: Der WDR-Mitschnitt-Service kann liefern! Man muss nur das letzte Sendedatum angeben (16.01.2010 21.45 Uhr), einen kleinen Obulus entrichten (eine neue Küchenmaschine ist teurer!) und schon kommt die DVD mit 2 bis 3 Wochen Zeitverzögerung ins Haus.

    Gruss
    Wolle

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