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29. Dezember 2014 · 15 Kommentare

Rezension: „Deutschlands bester Bäcker“ präsentiert von Johann Lafer

"Deutschlands bester Bäcker" präsentiert von Johann Lafer

„Deutschlands bester Bäcker“ präsentiert von Johann Lafer

Haben wir auf dieses Buch gewartet? Nachdem die Sendung „Deutschlands bester Bäcker“ allenfalls in jenen Minuten zu ertragen und gar spannend war, in denen die Kamera ohne Jury in den Bäckereien deren Produkte und Philosophien einfing, überwiegt die Skepsis gegenüber einem der Sendung entrissenen Buch. Skepsis auch, weil Johann Lafer als Hauptjuror die Sendung sehr konditoreilastig hielt. Würde ein Buch mehr als nur Torten, Petit Fours und andere Süßkreationen hervorbringen?

Ja, wenngleich mit ca. 80 zu 60 Seiten doch das Süße dominiert. Umso interessanter sind die 60 Seiten mit Brot und Kleingebäcken, die von den teilnehmenden Bäckern für das Buch zur Verfügung gestellt wurden. So findet der geneigte Zuschauer all die Gebäcke wieder, die er auch schon in der Sendung auf dem Jurytisch betrachten konnte, nur dieses Mal mit Rezept.

Gleichzeitig zeigen die Rezepte, dass Stichwörter wie lange Teigführung, Vorteige und weniger statt mehr Hefe bei der Mehrzahl der als „bester Bäcker Deutschlands“ nominierten Teilnehmer noch nicht angekommen sind. Gleich beim ersten Rezept für Weißbrot freut sich der Leser über einen atemberaubend geringen Hefeanteil von 0,6%, wird von der kurzen Teigreifezeit von nur 90 Minuten begeistert sein, am Ende aber alles andere als ein aufgegangenes Brot im Ofen finden. Hier, wie auch an anderen Stellen, haben sich offenbar Rezeptfehler eingeschlichen.

Dennoch ist das Buch empfehlenswert für alle jene, die sich an kreativen Rezepten und guten Fotografien erfreuen möchten. Gute Brote, die mit etwas anderer Herangehensweise teilweise noch besser werden könnten. Das Buch überrascht den Zuschauer durch seine Rezeptvielfalt und strengt ihn gleichzeitig beim Lesen der meist überflüssigen Tipps der Juroren an. Insofern behält das Buch das altbackene Sendungskonzept bei.

Im dimetralen Gegensatz zu den weitgehend ausgewogenen Rezepturen steht das einführende Kapitel zur Warenkunde, das Hefeteig mit 8% Hefe favorisiert und selbst in einem Grundteig für Sauerteigbrot noch 7% Hefe empfiehlt.

Fazit: Während Lafer wie auch in der Sendung eher als Maskottchen und Zugpferd dient, überzeugen die Bäcker mit akzeptablen Rezepten für den Hausgebrauch. Das Buch macht Lust zum Nachbacken und auch Lust auf gute Bäcker. Es hat einen Platz im Hobbybäckerregal verdient, wenn auch nicht gleich in Griffweite.

Deutschlands bester Bäcker
192 Seiten, 2014
Verlag: GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
ISBN: 978-3833844386
Größe: 19,1 x 2,2 x 24,9 cm
Preis: 19,90 €

Mein Dank gilt dem Gräfe und Unzer Verlag, der mir das Buch freundlicherweise zur Besprechung zur Verfügung gestellt hat.

15 Kommentare

  1. Hallo Lutz,
    die Rezension könnte von mir ­sein 🙂
    Ich war geschockt, als ich das Buch durchblätterte. Herangehensweise, Hefemenge etc.
    Und das, obwohl in der Sendung immer von langer Teigführung und wenig Hefe gesprochen wurde. Da hätte ich mir viel mehr erwartet. Ich habe bis jetzt sechs Rezepte aus dem Buch, in von mir abgewandelter Form, gebacken. So waren es gute Brote, die ich sicher wieder backen werde. Jedoch möchte ich nicht wissen, wie die Brote geworden wären ohne meine Änderungen.
    Ohne etwas Erfahrung im Brot backen, würde ich dieses Buch sicher nicht empfehlen.
    Liebe Grüße
    Rebecca

  2. Da warte ich lieber auf dein 2. Buch, Lutz!
    Bin schon auf der Bestellliste :-)!

  3. Danke für die Rezension, dachte eigtl. erst, dass ich das Buch nicht brauche. Hab ich mir jetzt anders überlegt 🙂

  4. Hallo Lutz,
    ein weiteres Buch brauche ich erst mal auch nicht. Denn deins steht in Griffweite…Herr Lafer auf dem Cover und dann noch als Herausgeber wird sicher trotzdem zu hohen Verkaufszahlen führen. Danke für die interessante Rezension.

    Viele Grüße und alles Gute für 2015,

    Sigrun

  5. Da Jochen Baier sozusagen mein Haus-Bäcker ist- wenn dann kauf ich bei ihm ein- war es eine lokalpatriotische Entscheidung das Buch zu kaufe. Die Rezepte finde ich inspirierend– für geübte Brotbäcker. Einem Neuling würd ich das Buch eher nicht empfehlen.

  6. die Rezepte im Buch sind teils gut, teils durchwachsen. Ich habe zu Weihnachten das „Hohenloher Genetzte” gebacken und alle waren begeistert. Rezeptfehler dabei ist die fehlende Angabe zur Salzmenge.
    Aber auch in der ersten Auflage Deines Brotbackbuches sind ja so einige Rezeptfehler …

    • Ja, das stimmt, aber nicht ganz: die Fehler sind nur im 1. Druck der 1. Auflage (ist bis spätestens Ende 2013 vergriffen gewesen). Danach kamen noch etliche weitere Drucke der 1. Auflage ohne bekannte Fehler.
      Aber davon abgesehen: So wie ich auf die Fehler in meinem Buch hingewiesen habe (siehe Errata-Liste), weise ich Leser auch auf Fehler in anderen Büchern hin.

      • Nicht zu vergessen, unsere Bücher mit den Fehlern, das sind Unikate und limitiert. So gesehen besitzen wir etwas sehr wertvolles und einzigartiges. Eine Rarität! :-)))

        Ich liebe das Buch und freue mich schon auf das Nächste welches in meiner Buchhandlung schon bestellt ist.

  7. Hallo Lutz, Danke für die Rezension!
    Ich hab das Buch, 2. Auflage, zu Weihnachten bekommen, die Sendung aber nie gesehen! 😉
    Über die Brot-Rezepte war ich etwas überrascht, die sehen erst mal gut aus! Hab mir für morgen gleich das erste Rezept, das Weißbrot, vorgenommen und bin an der Hefemenge hängen geblieben. Kein Zusammenhang zwischen Menge und Gehzeiten! Hast Du ja oben auch erwähnt. Drum hab ich eben beschlossen, meine gewohnte Menge zu nehmen.
    Damit geht also weiter, was ich schon begonnen habe, das Markern von Druckfehlern!
    Schade, dass es dazu keinen Blog gibt, so wie bei Deinem Buch!
    Herzliche Grüße und einen Guten Rutsch!

    Rudolf d.Ä.

  8. Ich halte von solchen Sendungen überhaupt nichts. Ich möchte niemanden wehtun, aber Herr Lafer hat wieder eine Lücke zum Geldmachen gefunden. Ich habe Dein Buch, obwohl ich mich noch nicht ans Backen gewagt habe, aber das soll nun 2015 passieren.

    Ein wunderbares 2015 wünscht
    Brigitte

  9. Hallo,

    ich habe mir das Buch voller Vorfreude gekauft.

    Heute hatte ich das erste Rezept ausprobiert: Bauern-Schwarzbrot.

    Sah super-lecker aus. Schmeckt bescheiden. Es würgt einen nach dem zweiten Bissen, so süss ist es.

    Leider ist mir nicht aufgefallen, dass bei 500 g Mehl niemals 200 g Zuckerrüben-Sirup rein gehören können.

    Ich hatte auch noch gleich dreifache Menge gemacht. Grrrrr.

    Wirklich doof.

    LG

    Sibylle

  10. Ich muss dieses Buch mal kaufen. Dann werde ich jede drei Tage backen:)
    LG, 
    Laura

  11. Anscheinend ist diese Sendung (ich kenne sie nicht) ein Rip-Off des britischen „Great British Bakeoff“. Das Original mit Paul Hollywood und Mary Berry (heißen wirklich so) hat wirklich, wirklich fundierte Tipps für ambitionierte Bäcker zu bieten. Und im Gegensatz zu Lafer kennt sich Paul Hollywood auch mit Sauerteig ein wenig aus, es ist, so wie ich mitbekommen habe, sein Steckenpferd. Wir bekommen hier englisches Fernsehen, daher kenne ich die Sendung. Besonders die „Great British Bakeoff Masterclass“ Folgen haben mir schon so manches Aha-Erlebnis beschert. Lohnt sich – anscheinend im Gegensatz zu dieser Sendung / diesem Buch.

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