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6. Juli 2015 · 6 Kommentare

Rezension: „Skandinavisch backen“ von Trine Hahnemann

"Skandinavisch backen" von Trine Hahnemann

„Skandinavisch backen“ von Trine Hahnemann

Kaum hatte ich mir das Buch „Skandinavian Baking“ von der in Großbritannien lebenden Dänin Trine Hahnemann gekauft, erschien das Werk in deutscher Übersetzung im EMF-Verlag. Ein Grund mehr, das Buch oder besser das Brotkapitel des Buches unter die Lupe zu nehmen.

Die skandinavische Backtradition ist roggenbetont. Entsprechend groß ist die Leidenschaft der Autorin dafür. Ihre Roggenteige werden meist über zwei Tage geführt, bekommen einen kräftigen Charakter und würzig-säuerliche Aromen. Andere Brote wiederum, die komplett oder überwiegend aus Roggen bestehen, konzipiert Trine Hahnemann dagegen nur mit Hefe, zu Lasten des Geschmacks, der Verträglichkeit und der Backfähigkeit des Roggens. Mit dabei sind häufig Joghurt oder Buttermilch.

Jedes Rezept enthält eine kleine Anekdote oder Geschichte aus dem Leben der Autorin, das ohne das Selbstbacken für sie gar nicht denkbar wäre. Weizen- oder dinkellastige Brote und Brötchen werden auf Hefebasis zubereitet, andere mit einem Misch-Sauerteig. Generell sind Hahnemanns Rezepte auf lange Reifezeiten ausgelegt, meist mit weniger als zwei Prozent Hefe, über Nacht geführt, allerdings mit Ausreißern hin zu sechs oder gar zehn Prozent Hefe – viel zu viel und auch kein Übersetzungsfehler, wie zunächst vermutet werden könnte.

Übersetzungsschwächen zeigen sich dennoch, etwa wenn von bestimmten Teigkonsistenzen geschrieben wird, die im Deutschen teils drastischer (weicher) klingen, als die Autorin im Original beabsichtigt hatte.

Die Fotografien sind reduziert auf das Wesentliche, kühl und dunkel gehalten, skandinavisch eben. Die Gestaltung ist reduziert, übersichtlich und ansprechend. Kräftiges Papier macht das Werk zu einem dicken Wälzer bei „nur“ knapp 290 Seiten.

Grundlagenwissen fehlt im Buch. Lediglich zwei Seiten mit den wichtigsten Voraussetzungen zum Umsetzen der Rezepte sind enthalten, wenngleich fachlich nicht immer korrekt. So kommt der Hobbybäcker vor allem bei den Sauerteigrezepten zu guten Broten, aber ohne Anspruch auf Perfektion.

Fazit: Sympathisches Buch einer sympathischen Autorin, mit viel Liebe zum Backen geschrieben. Wer skandinavisch angehauchte Rezepte nicht nur im Brotbereich sucht, wird hier fündig und weitgehend glücklich. Insbesondere die Roggenbrote sind das Nachbacken wert.

Skandinavisch backen
288 Seiten, 2015
Verlag: Edition Michael Fischer
ISBN: 978-3863553319
Preis: 29,99 €

Mein Dank gilt dem EMF Verlag, der mir das Buch freundlicherweise zur Besprechung zur Verfügung gestellt hat.

6 Kommentare

  1. Ach, Skandinavien… Während meines Auslandsaufenthaltes in Schweden suchte ich vergeblich nach einer Bäckerei, die Brot backt. Im Supermarkt gab es nur bei Lidl „Einheitsbrot“, das ich auch schon aus Deutschland kannte.

    Die Schweden, so verrieten mir Arbeitskollegen und meine Gastfamilie, backen doch tatsächlich noch selbst. Nicht immer, aber immer öfter. 😀 Einmal hatte mir meine Kollegin Brot mit Preiselbeeren geschenkt – das war lecker!

  2. Das Buch interessiert mich doch sehr. Nächste Woche ist es wieder soweit, wir brechen zu unserm fast alljährlichen Schwedenurlaub auf. Während der vergangenen Jahre habe ich zwar noch kein essbares Brot in Schweden gefunden (weilirgendwie alles süß schmeckt….grrr), ABER die Schweden können Kuchen backen ….. schwärm!! …. gaaanz feine Obstkuchen mit Baiser und warmer Vanllesoße und dicker Schlagsahne ….. im Garten eines einfachen Landcafés genossen ….. oh, wie ich mich darauf freue! Und spätestens seit ich den Blog von Martin Johansson kenne, habe ich auch Hoffnung auf gutes schwedisches Brot. Also, Dankeschön für diese Bucheindrücke!
    LG Sabine

  3. Das Buch steht schon länger auf meiner Amazon-Wunschliste. Nach deiner Rezension habe ich mich nun endlich dazu entschieden, es zu bestellen. Seit Samstag habe ich es nun und bin vom ersten Eindruck positiv überrascht. Die Verarbeitung wirkt sehr hochwertig, die Fotos sind schön illustriert.
    Was mich persönlich überrascht hat, ist der Anteil von Brot und herzhaftem Gebäck. In den meisten Backbüchern überwiegen süße Kuchen- und Gebäckrezepte, und so hatte ich es gerade in einem skandinavischen Backbuch, das eine Torte auf dem Cover trägt, vermutet. Aber es sind wirklich ausgesprochen viele Rezepte für Brote darin und ich bin gespannt das ein oder andere in den kommenden Tagen auszuprobieren.
    Danke für deine Rezension und damit den Anstoß dazu, dieses entzückende Buch zu kaufen 🙂
    Viele Grüße, Lea

  4. Das schwedische Brot ist ja wirklich nicht unbedingt ein Genuss- jedenfalls wenn man nichts anderes bekommt und das gute deutsche Sauerteigbrot liebt. Inzwischen wird aber auch immer mehr Brot mit Sauerteig gebacken und es gibt tolle Backbücher von Jan Hedh dazu! Grüße aus dem Norden!

  5. Nun, wenn man, wie meine Familie und ich, seit mehr als 15 Jahren in Schweden lebt, macht man folgende Erfahrungen. Die Schweden haben von Roggen gar keine Ahnung, die meisten Schweden wissen noch nicht einmal, dass es so etwas gibt, geschweige denn, dass man Brot daraus backen kann, obwohl wir hier ganz hervorragende Mehlsorten kaufen kann, und das sogar ökologisch angebaut. Die meisten Schweden können auch gar nicht backen, wie vorher bemerkt, sondern sind abhängig von exorbitant hohen Hefemengen.
    Brot in Schweden ist ein reines Industrieprodukt, der schwedische Bäckerlehrling im Prinzip ein Maschinenführer. Das Backhandwerk, sowie andere Lebensmittelhandwerke sind aus der Schwedischen Gesellschaft seit mindestens einer Generation komplett verschwunden. Bäckereien gibt es im Prinzip nur noch in den grösseren Städten, bei uns auf dem Land sucht man so etwas vergeblich. die nächste Bäckerei befindet sich in Varberg, etwa 90 Km entfernt. Es gibt im Umkreis von 150 Km drei Bäckereien, die mit gutem Sauerteig arbeiten und wirklich gutes Brot backen, alle drei von deutschen Bäckern geführt.
    Wenn Du die skandinavische Backkunst also mit Roggen gleichsetzt, dann meinst Du ausschliesslich die dänische. In Finnland gibt es das zwar auch noch rudimentär, aber Norwegen und Schweden sind da völlig der im grossen Stil arbeitenden Lebensmittelindustrie ausgesetzt, leider. Insofern gut, dass es doch noch vernünftige deutsche Geologen gibt :-), man lebt dadurch durchaus auch in Schweden ganz gut.

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