Hierfür wird die gesamte Salzmenge mit der zehnfachen Wassermenge und der gesamten Hefe aufgelöst (z. B. 20 g Salz, 200 g Wasser, 10 g Frischhefe) und anschließend bei ca. 5 – 25 °C für 4 – 48 Stunden gelagert.
Das Salz baut einen starken osmotischen Druck in den Hefezellen auf, da die Salzkonzentration in den Zellen niedriger ist als außerhalb der Zellen. Während einschlägige Bäckerliteratur lange Zeit davon ausging, dass dadurch das Zellplasma schrumpft, sich von der Zellmembran löst (Plasmolyse) und die Zelle stirbt, deuten aktuellere Forschungsarbeiten offenbar auf mehrere Gründe für die positiven Effekte hin.
Die hefeeigenen Enzyme, die durch die halbdurchlässige Zellwand in die Salzlösung gelangen stellen im Teig schneller Nahrung für den Hefestoffwechsel zur Verfügung. Deshalb steigt die Gasproduktion bzw. Fermentationsrate. Hinzu kommt, dass die Zellen Gluthation freisetzen, das reduzierend wirkt. Es kann die Bildung von Disulfidbindungen zwischen Klebereiweißen behindern und sie ggf. sogar lösen. Der Teig wird in der Anfangsphase besser verarbeitbar (weniger bockig, dafür plastischer). Unter derart starkem Salzstress stehende Hefezellen bauen die Zellmembran außerdem durch Einlagerung von Glycerin um. Sinkt die Salzkonzentration nach Zugabe der Hefen zum Teig wieder, wird das Glycerin an den Teig abgegeben. Dort wirkt es gemeinsam mit über die Teigentwicklung forcierten oxidativen Einflüssen als Stabilisator, Feuchthaltemittel und Emulgator. Teige mit Salz-Hefe-Führung sind also zunächst plastisch und gut zu verarbeiten, stabilisieren sich danach aber sehr gut.
Gluthation wie auch Glycerin haben zudem positive Effekte auf die Frischhaltung der Backwaren. Durch die Salz-Hefe-Führung verbessern sich generell die Gärtoleranz, die Teigstabilität und das Gashaltvermögen.
Das Salz-Hefe-Verfahren wird üblicherweise für besonders lockere Backwaren wie Toastbrot und Brötchen, aber auch Feinbackwaren wie Zöpfe oder Krapfen verwendet. Es kann auch die Nachteile von Getreide-Biohefe in Teigen ausgleichen und sowohl von Vorteil sein bei kurz geführten kleberstarken Teigen wie auch bei langgeführten Teigen aus eher kleberschwächeren Getreidesorten.
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